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Das Rasseportrait

Bosnischer Kräher

Bosnischer Kräher

Erste Hinweise auf die Existenz von Langkrähern im Balkanraum finden sich in den Überlieferungen zur Entstehung der Bergischen Kräher. Danach sollen deren Vorfahren im Mittelalter von dort aus ins Bergische Land verbracht worden sein.

Gestützt wurden diese Hinweise durch Augenzeugenberichte aus dem frühen 20. Jahrhundert. So wurden während des 1. Weltkrieges im albanischen Tirana Langkräher beobachtet, die in ihrem Erscheinungsbild den Altsteirern und bezüglich ihres Krährufes den Bergischen Krähern glichen. Nach Angaben der Einheimischen waren sie dort bereits seit Jahrhunderten bodenständig. Ähnliche Tiere wurden auch in Bosnien vorgefunden. Ebenso wurde in den 20er Jahren von Langkrähern aus dem Kosovo und dem südlichen Serbien berichtet. Südlich von Sarajevo war eine Variante heimisch, die kleiner als Bergische Kräher war und denen Hähne einen goldenen Halsbehang zeigten.

Danach gab es über Jahrzehnte keine Hinweise mehr auf die Existenz der Rasse.

2001 stießen wir bei unseren Recherchen auf die Langkräherrasse Berat. Dabei handelte es sich um einen aus Albanien und dem südlichen ehemaligen Jugoslawien stammenden weißen, rosenkämmigen Schlag mit grünen oder blauen Läufen und roten bis weiß-roten Ohrlappen, der auch in der Türkei von albanischen Immigranten gezüchtet wird.

Später wurden noch weitere Varianten der Bosnischen Kräher bekannt. Eine davon sind die Kosovo-Kräher (Kosovski Pevach), die auch als Drenica (eine Provinz im Kosovo) bezeichnet werden. Sie entsprechen in der Körperform weitgehend den Berat, zeigen jedoch Protuberanz und tragen eine Spitzhaube und einen Hörner- bzw. Napfkamm. Sie kommen in Schwarz und Blau, seltener Gesperbert und Weiß vor. Die Lauffarbe variiert in Abhängigkeit von der Gefiederfarbe, die Ohrlappen sind rot. Der Krähruf erstreckt sich im Extremfall bis zu 38 Sekunden.

Nach Angaben von im Kosovo stationierten Soldaten kommt dort auch die den Altsteirern ähnliche wildfarbige Variante noch vor.

Die Existenz von verschiedenen lokalen Varianten mit zum Teil abweichendem Erscheinungsbild in der Heimatregion lässt auf ein hohes Alter der Rasse und eine allmähliche Ausdifferenzierung der einzelnen Schläge schließen.

Im Jahr 2004 gelang es schließlich dem in der Türkei ansässigen Zoologen Dr. Michael Reimann, über einen türkischen Tierhändler zwei Bosnische Kräherhähne aus Albanien zu beziehen. Diese Tiere waren einfachkämmig, weiß, hatten grüne Läufe und weiße bis rot-weiße Ohrscheiben. Dazu konnte eine ebenfalls weiße, rosenkämmige Berathenne aus türkischer Zucht erworben werden. Die Hähne krähten 13 bzw. 14 Sekunden und erinnerten in ihrem Krähruf stark an die Bergischen Kräher. Sie wurden nacheinander mit der Henne verpaart und so konnte ein Grundbestand aufgebaut werden.

Im Februar 2005 konnten wir Bruteier dieses Bestandes nach Deutschland einführen. Es schlüpften 11 Küken (7,4), von denen 3,3 (davon 0,2 rosenkämmig) in die Weiterzucht eingesetzt wurden. In den folgenden Jahren 2006 bis 2008 wurde die Population vergrößert und Tiere an weitere Züchter abgegeben.

2007 fielen aus den dominant weißen Reinzucht-Tieren silber-schwarzgetupfte und solche, deren Zeichnung zwischen Mehrfachsäumung und Sprenkelung lag, was die Verwandtschaft zu den Bergischen Krähern weiter untermauert. Weiterhin fielen Tiere in Schwarz-silber und solche mit Ansätzen zur Weiß-schwarzcolumbia-Zeichnung.

Da die hiesige Population lediglich auf 2,1 Ausgangstieren beruht, sind in absehbarer Zeit Inzuchtdepressionen nicht auszuschließen. Aus diesem Grund wurde eine Reservelinie unter Beteiligung von Bergischen Krähern aufgebaut, die im Bedarfsfall zur Heterosissteigerung eingesetzt werden kann. Bei den Kreuzungen zeigte sich, dass die Krährufe beider Rassen kompatibel sind, die Nachkommen also einen voll ausgeprägten Krähruf zeigen, der mit ca. 11 Sekunden Länge im Variationsbereich beider Rassen liegt.

Die Betreuung der Rasse erfolgt durch die Vereinigung der Züchter Bergischer Hühnerrassen und deren Zwerge – Kräherzüchtervereinigung seit 1884. Seit 2007 nehmen die Bosnischen Kräher an den Wettkrähen der Vereinigung teil. Die Anzahl der Züchter in Deutschland beläuft sich derzeit auf sechs.

Bosnischer Kräher

Herkunft:

Jahrhundertealte Langkräherrasse des Balkanraumes, dort in verschiedenen lokalen Varianten vorkommend. Die in Deutschland gezüchteten Tiere basieren auf der einfachkämmigen Zuchtrichtung und den rosenkämmigen Berat. Nahe Verwandte der Bergischen Kräher, 2005 in Deutschland eingeführt.

Gesamteindruck:

Derbes Landhuhn mit stolz aufgerichteter Haltung und hoch getragenem Schwanz auf gut mittelhoher Stellung. Von zutraulichem Wesen.

Bedeutung:

Für die Erhaltung und züchterische Förderung des rassetypischen Krährufes werden alljährlich Wettkrähen veranstaltet. Dabei rangieren Länge und Tonlage des Krährufes vor den Feinheiten der übrigen Rassemerkmale.

Rassemerkmale Hahn:

Rumpf: mittellang, breit, kräftig und muskulös; aufgerichtete Haltung.

Hals: ziemlich lang, in flachem Bogen leicht nach vorn gerichtet; mit vollem Behang.

Rücken: mittellang; gerade bis leicht gewölbt; abfallend getragen.

Schultern: gerundet, hervortretend, etwas angehoben.

Flügel: hoch angesetzt, fest anliegend.

Sattel: breit, mit vollem Behang.

Schwanz: hoch getragen, bis zum rechten Winkel zum Rücken; mit mittellangen Haupt- und Nebensicheln.

Brust: sehr stark, breit, gerundet, angehoben getragen.

Bauch: voll und ausgeprägt.

Kopf: gestreckt, breit.

Gesicht: rot, mit Haarfederchen besetzt.

Einfachkamm: mittelgroßer Stehkamm, nicht zu tief und grob gezackt, mit etwas hochstrebender Fahne; fein im Gewebe.

Rosenkamm: fest und gerade aufsitzend, mäßig breit, nach hinten allmählich schmaler werdend, mit tropfenartigen Fleischperlen besetzt; Dorn nicht der Nackenlinie folgend, möglichst schwertförmig.

Kehllappen: mittellang, fein im Gewebe.

Ohrscheiben: mittelgroß, mandelförmig, weiß bis rot-weiß.

Augen: orangerot bis dunkelbraun.

Schnabel: stark an der Wurzel, lang, gelblich hellhornfarbig.

Schenkel: deutlich hervortretend, muskulös, ziemlich lang.

Läufe: gut mittellang, kräftig, weidengrün.

Zehen: fest aufgesetzt, gut gespreizt.

Gefieder: anliegend.

Rassemerkmale Henne:

Weniger aufgerichtet und waagerechter in der Haltung als der Hahn mit vollem, nach hinten ausladendem Bauch. Der Schwanz bis zum Ende in gleicher Breite. Leicht umliegende Kammfahne gestattet.

Grobe Fehler Rassemerkmale:

Schmaler, schwach bemuskelter Rumpf, schmale Brust, zu tiefer Stand, zu flache Schwanzhaltung, Hängeflügel, schmale Läufe.

Farbenschlag:

Weiß:

Rahm- bis Silberweiß.

Grobe Fehler:

Stark gelber Anflug.

Gewichte: Hahn 2 –3 kg, Henne 1,75 – 2,5 kg.

Bruteier-Mindestgewicht: 56 g.

Schalenfarbe der Eier: Weiß.

Ringgrößen: Hahn 20, Henne 18.

Legeleistung: 150 Eier pro Jahr.

Bosnischer Kräher

Rassebeschreibung: Armin Six

 Fotos: ©Armin Six

Weiterführende Literatur
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Groß- und Wassergeflügel
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Kunstbrut - Handbuch für Züchter
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Kramers Taschenbuch der Rassegeflügelzucht
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