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Tierische Initiativen

Rassebeschreibung

Nutztier-Arche Kulturhof Rothenmühle

c/o Imke Röhl  19406-Rothenmühle Tel. 038485-50433 Fax 038485-50596

 

Aylesbury-Nutzentenzucht der Nutztier-Arche Kulturhof Rothenmühle

Miss Elsie von der Rothenmühle…

… als Stamm-Mutter einer Aylesbury-Nutzentenzucht…

…da arbeiten wir mal dran…

Nach dem Aufbau unserer Pommernentenzucht wurde ich als England Freak auf die Aylesbury Ente aufmerksam, weil sie in England zwar kulturell noch eine große Rolle spielt, ich diese Ente aber irgendwie nicht finden konnte. Kein Wunder, sogar in ihrem Stammland ist sie bedroht, zumal im Wirtschaftstyp, auch im Ausstellungstyp gibt es nicht mehr sehr viele Züchter. Viel viel Schlimmer ist die Situation in Deutschland, hier ist der Wirtschaftstyp eigentlich verschwunden, den Ausstellungstyp-Züchtern verdanken wir es, dass es wenigstens noch genetisches Ursprungsmaterial gibt, wenn auch meine Recherche ergeben hat, dass dieses auf keiner breiten Basis steht – drei unabhängige Zuchtlinien  scheint es nur noch zu geben.

In Deutschland gibt es noch ca. 6 Aylesbury-Enten-Züchter, die den Ausstellungstyp züchten, der dem Geflügelstandard entsprechen soll, tatsächlich aber bringen einzelne Erpel bis zu 7 kg auf die Waage und unter den ausladenden Kiel passt nur eine flache Hand. Rund 35 Zuchttiere leben bei diesen Ausstellungstyp-Züchtern.

Als Wirtschaftstyp ist die Aylesbury Ente in Deutschland praktisch ausgestorben. Nach Recherchen gibt es genau 2 Tiere, die dem ursprünglichen Wirtschaftstyp entsprechen. Ein Erpel lebt in Schleswig-Holstein (und ist unglücklicherweise auf Hühner fixiert, wohl aufgrund falscher Prägung in der Aufzuchtzeit) und eine Ente lebt in Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Züchter und eine Züchterin wollen sich des Nutztyps annehmen, 2 in Schleswig-Holstein und eine in Mecklenburg-Vorpommern. Bei diesen drei Züchtern leben zusammen 12 Zuchttiere, wobei in diesem Jahr gute alte Freundschaften nach England sehr nützlich bei der Bruteigewinnung (Danke, Diana!) waren. Neben der Nutzentenzucht von Richard Waller gibt es dort zwei bis drei Züchter, die sich darum bemühen, den Nutztyp zu erhalten bzw. wieder heraus zu selektieren.Wir haben eine Menge Arbeit vor uns.

Die Ente – wie sie sein soll

Die Aylesbury Ente soll eine wache, aber insgesamt unaufgeregte freundliche Ente sein. Sie wird leicht zutraulich.

Zunächst muß die Ente abspecken, auch wenn sich das für eine Mastente widersinnig anhört. Gewichte von 5-7 kg sind nicht nur ein bisschen grotesk und für eine natürliche artgerechte Nutzhaltung mit zu hoher Mastintensität verbunden, sondern wie ich auch immer wieder höre, leidet die Rasse unter Fruchtbarkeitsproblemen, die es früher nicht gegeben hat. Die Erpel sind zu schwer, werden dadurch zu träge und büßen einen Teil ihrer Fruchtbarkeit ein. Maximal können die Tiere 1:2 gehalten werden, aber auch bei dieser Konstellation gibt es häufiger Probleme. Ein weiteres Problem, dass Züchter berichten ist, dass die Küken häufig bei der Kunstbrut schlecht aus dem Ei kommen. Das kann bei einer vitalen Ente und vorausgesetzter richtiger Brut eigentlich nicht sein und ist auch für eine Nutztierhaltung unangemessen. Zuchtziel sollte natürlich auch die Vitalität der Tiere sein.

Wir sollten in der Aylesbury Nutzzucht ein Gewicht von 2,5-4 kg als ausreichend und wünschenswert betrachten.

Natürlich mussten wir auch massige Tiere im Ausstellungstyp dazukaufen. Hier arbeiten wir darauf hin, dass sich die Fruchtbarkeit schon in dieser Zuchtsaison verbessert. Wir reichern ein eiweißreiches stärkearmes Futter, dass mit Komponenten ungesättigter Fettsäuren angereichert ist. Die Enten erhalten spezielle Kräutermischungen und ätherische Essenzen, die Vitalität und Fruchtbarkeit fördern sollen. Ansonsten sollte die Ente viel Auslauf haben mit der Gelegenheit, Grünzeug zu fressen. Auch Würmer und Schnecken tragen zu einer artgerechten und damit auch fruchtbarkeitsfördernden Ernährung der Ente bei, wozu es notwendig ist, dass sie etwas herumkommt, etwas beweglicher wird, als es der Ausstellungstyp ist. Der extrem heraus gezüchtete tiefe Kiel ist dafür aber recht hinderlich und sieht ja auch nicht schön aus. Wenn der Kiel gar noch auf dem Boden schleift oder die Ente Gleichgewichtsprobleme durch ihren Kiel bekommt,  ist es aus Tierschutzgründen geboten, solche Tiere nicht weiter zu züchten. So sollten  wir hier auf eine wenig ausgeprägte Kielbildung selektieren und durch gezielte Verpaarung entsprechender Tiere uns dem ursprünglichen Wirtschaftstyp wieder annähern. Gleichzeitig hoffen wir, dass wir aus den englischen Linien Tiere gewinnen können, die dann im nächsten Jahr diese Zuchtbemühungen auf eine breitere Basis stellen. Die Aylesbury Ente im Wirtschaftstyp sollte keinen ausgeprägten Kiel aufweisen.

 Es ist für eine natürliche Nutztierhaltung von großem Vorteil, wenn die Ente ihren Nachwuchs selbst erbrüten kann und ihre Küken auch gut führt. Wir haben hier zwei (weite) Wege, die wir, weil eben nur durch energischen Einsatz die Aylesbury Ente nur noch zu bewahren ist, auch gleichzeitig gehen müssen. Wir bemühen uns auf gute Brüterinnen-Fähigkeiten zu selektieren. Zum anderen werden wir einen Teil der Bruteier durch zuverlässige Brüterinnen (hier bieten sich Flugenten an – sie brüten und führen sehr sicher) erbrüten und aufziehen lassen, damit richtiges Brutverhalten von den Aylesbury Küken erlernt wird. Als Ersatzmütter sollten aber bei dieser so gefährdeten Rasse keine Hühnerglucken verwendet werden, um keine falschen Prägungen zu produzieren.

Wir sollten also in der Aylesbury Nutzzucht auf gute Bruteigenschaften hinarbeiten.

Die Aylesbury Ente hat einen sehr schönen, tatsächlich etwas schwanenartigen Kopf, mit einem sehr langen kräftigen Schnabel, der im Standard als rosafarbig angegeben wird. Diese Angabe dürfte auf einem Übersetzungsfehler beruhen. In der englischen Literatur ist die Rede von „soft pink like a lady´s nail“ und das meint blasses rosa, eher rosig im Sinne von rosiger Haut. Von solcher Farbe ist dann auch wirklich ihr Schnabel, sehr schön ist er rosig-fleischfarbig, nicht gelb. Aber auch nicht richtig rosa. Nun ist jeder Anflug von gelb im Schnabel einer Aylesbury Ente laut Rassestandard verpönt und deshalb wird häufig empfohlen, die Tiere im Schatten, gar im Stall zu halten, damit die rosige Farbe erhalten bleiben möge. Da dies aber mit einer artgerechten Haltung, die wir praktizieren möchten, nicht vereinbar ist, der Schnabel aber tatsächlich im Laufe des Jahres durch Sonneneinstrahlung ganz leicht gelblich werden kann: Wir sollten eine leicht veränderte Schnabelfarbe im Laufe des Jahres einfach nicht tragisch nehmen. Anders verhält es sich mit von Anfang an quittegelben Schnäbeln, die kommen von Einkreuzungen der Pekingente, das Tier ist dann nicht reinrassig. Ständiger Wasserzugang mit Sand und Kieseln hilft der Ente, ihren Schnabel schön blass-fleischfarben zu halten.

Eine Aylesbury Ente im Wirtschaftstyp soll robust und wetterfest sein, eventuelle Empfindlichkeiten, die sich herausgebildet haben, sollen wieder abgebaut werden.

Ansonsten ist die Aylesbury Ente von länglichem Körperbau, mit einem wunderschön reinweißen Gefieder das zu Lockerheit neigt, ständiger Wasserzugang hilft, es glatter anliegen zu lassen. Die Ente ist kräftig gebaut mit voller Brust und gut ausgeprägtem Bauch, sie steht eher waagerecht auf orangenen Läufen, hat einen breiten Rücken mit langen Flügeln. Sie hat einen schlanken Hals auf dem ein länglicher Kopf mit lebhaften zugewandten dunklen Augen sitzt.

Die Aylesbury Ente ist insgesamt eine sehr harmonische Ente, wunderbar im Umgang, eine Bereicherung auf dem Hof durch ihr helles freundliches Erscheinungsbild. Ihre Wirtschaftlichkeit und damit ihre Verbreitung muß unbedingt wieder hergestellt werden.

Wer Interesse am Wirtschaftstyp der Aylesbury Ente hat, darf sich gerne bei mir melden, auch wer Tiere hat, die in ihrem äußeren Erscheinungsbild dem Nutztyp ähneln, melde sich bitte bei mir – das wäre sehr hilfreich!

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