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Das Rasseportrait

Appenzeller Barthuhn

Vorfahren der sog. "Bartli" werden die Polveraras, ein russisches Bart-Haubenhuhn vermutet. Sicher ist nur, dass diese Rasse von Oberitalien aus die Hühnerzucht des Alpengebietes wesentlich beeinflusst hat. Aus unbekannten Gründen wurden aber diese Barthühner immer seltener und schienen bereits ausgestorben. Der Zeitpunkt der Wiedergeburt dieser Rasse mag um das Jahr 1870 gewesen zu sein. Nachzuweisen ist ihre Haltung jedenfalls seit geraumer Zeit im Appenzeller Vorderland. In Wolfhalden ist wohl der Anfang einer gezielten Zucht zu suchen. Das "Bartli" robust und widerstandsfähig, verdankt seine Auferstehung nicht irgendeiner zufälligen Kreuzung. Die Grundzüge dieser Rasse wurden zum vornherein bedacht und festgelegt.

Einen Herrn Züst in Wolfhalden verdross es, wenn seinen Hühnern im Winter die Kämme und Kehllappen abfroren und dabei die Eierproduktion beträchtlich nachließ. Er machte sich die Mühe, das alte Appenzeller Barthuhn wieder heranzuzüchten, dass er in seiner Jugendzeit auf dem väterlichen Betrieb täglich vor Augen gehabt hatte. Ein Huhn, das mit den notwendigen Voraussetzungen ausgestattet war. Große Kämme und Kehllappen standen selbstverständlich diesen Anforderungen entgegen. Besser entsprachen ihnen ein sog. Rosenkamm und ein Bart. Da sehr wenig passende Ausgangstiere vorhanden waren, wurde es eine mühsame Kleinarbeit bis die ersten Hühner Marke Züst voll befriedigen konnten. Aber der Anfang war gemacht. Der damalige schwarze Farbenschlag konnte bis heute seinen Stand halten.

Ein weiterer Schritt unternahm der Urenkel des Obengenannten, indem er 1963 eine rebhuhnfarbige Italienerhenne mit dem Appenzeller Barthuhnhahn einkreuzte, um den heutigen rebhuhnfarbigen Farbenschlag zu kreieren, die bis dahin zwar schon existiert haben, aber wieder verschwunden waren. Vorher existierten sie als goldhalsige Appenzeller Barthühner, die 1946 als Neuzüchtungen im Schweizer Standard aufgeführt waren. Ab 1982 wurde der goldhalsige Farbenschlag in rebhuhnfarbig umbenannt.

Auch wird immer wieder versucht einen blaugesäumten Farbenschlag zu züchten. Verschiedene Umstände sind Schuld, dass sich dieser Farbenschlag in der Schweiz nicht richtig durchsetzen kann, wobei bei uns schon Tiere in Vollendung zu bewundern sind.

Während die Appenzeller Spitzhauben in Deutschland Fuß fassen konnten, lässt die Verbreitung der Appenzeller Barthühner zu wünschen übrig. Laut Tierbestandserfassung im Jahre 2000 gab es 7 Zuchten Schwarze, 4 Zuchten Rebhuhnfarbige und 2 Zuchten Blaugesäumte. Es sind in der Regel wenige Züchter, die dann aber oft mehrere Farbenschläge betreuen.

Appenzeller Barthühner sind unempfindlich gegen äußere Witterungseinflüsse, so dass man sie im Winter ohne Bedenken nach draußen lassen kann. Der Standard sieht eine Legeleistung von 150 weißschaligen Eiern mit einem Bruteimindestgewicht von 55 g vor. Eine cremefarbige Eierschalenfarbe in einigen Zuchten ist auf die Einkreuzung von Australorps zurückzuführen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zumindest die Schwarzen mit einer Legeleistung von 190 Eiern im ersten Jahr die Standardforderungen bei weitem übertreffen. Die Schlupfquote ist vorzüglich, so dass aus (fast) jedem befruchteten Ei ein Küken schlüpft. Mit dem brüten kann man sich Zeit lassen, da die Tiere eine enorme Frohwüchsigkeit vorweisen und die Hennen bei mir schon mit 5 Monaten angefangen haben zu legen. Dies hat auch den Vorteil, dass man aussortierte Hähne schon recht frühzeitig mit angemessenem Schlachtgewicht der Küche zuführen kann. Tiere, die ich aus der Schweiz bezogen habe brauchen jedoch länger bis sie fertig entwickelt sind.

Der Standard beschreibt die Rasse wie folgt:
Sie sollen eine mittellange fast rechteckige Landhuhnform haben. Der Hals wird mittellang, leicht gebogen mit vollem Behang gefordert. Der Rücken ist mittellang und leicht abfallend. Durch Einkreuzung von Australorps ist der Rücken vielfach zu kurz, oder durch Blutzufuhr über Rheinländer oftmals zu lang. Die Schultern sollen breit, die Flügel mäßig angezogen und der Sattel ausgerundet sein. Der Schwanz ist gut angezogen, breit angesetzt, fächernd getragen und gut besichelt. Die Schweizer Appenzeller neigen aber immer noch dazu, dass sie die Schwänze zu stark anziehen. Sie zeigen teilweise schon grob fehlerhafte Eichhornschwänze. Die Brust ist breit, gewölbt und wird hochgetragen, was auf dem deutschen Standardbild jedoch schlecht ersichtlich ist. Der Bauch ist gut entwickelt und weich. Der Kopf ist mittelgroß, kräftig und breit; das Gesicht ist mit kleinen Federchen besetzt. Der Standard fordert ausdrücklich einen ziemlich breiten, gut aufliegenden Rosenkamm mit ausgeprägten Perlen und einem gerade auslaufenden Dorn, der leicht schwertförmig gestattet ist. Warum dann oft auf der Bewertungskarte ein feinerer oder nicht so grob geperlter Kamm gefordert wird ist mir unverständlich; es sind ja keine Wyandotten oder Rheinländer. Die Kehllappen sind klein und werden fast vom Bart verdeckt. Warum werden Tiere mit kleinen Kehllappen gestraft, wenn sie nicht ganz vom Bart verdeckt sind? Die Ohrscheiben sind klein, weiß und vom Bart verdeckt. Ich würde der Ohrscheibenfarbe keine so große Bedeutung beimessen, da bei anderen bärtigen Rassen diese auch belanglos ist und die Ohrscheiben sowieso vom Bart verdeckt sind. Die Augenfarbe variiert je nach Farbenschlag zwischen rot und dunkelbraun. Der Schnabel ist kräftig und von schwärzlicher Farbe. Manchmal sieht man Tiere, bei denen der Oberschnabel etwas stärker gekrümmt ist und deswegen nicht ganz schließt. Solche Tiere sollte man vorzeitig aussortieren und nicht mit ihnen weiterzüchten. Es wird ein mittlerer ungeteilter Kinn- und Backenbart verlangt. Die Schenkel sind straff befiedert und treten deutlich aus der Unterlinie hervor. Die Läufe sind mittellang, unbefiedert und von bläulicher bis schwarzer Farbe. Die Federn sind breit, eher kurz und straff anliegend. Die Henne gleicht dem Hahn bis auf die geschlechtsgebundenen Rassemerkmale, ist jedoch etwas waagerechter in der Haltung. Als grobe Fehler gelten: schmale Schultern, schmaler oder Fischrücken, schmale oder Hängebrust, Hängeflügel, zu flacher oder Eichhornschwanz, spitzer oder zu schmal angesetzter Schwanz, fehlender Bart, zu hohe oder zu tiefe Stellung, grobe Läufe, Stoppeln, bauschiges Gefieder, schmale lange oder haarige Feder, weiß im Gefieder.

Der Standard sieht ein Gewicht von 2 – 2,3 kg beim Hahn und 1,6 – 1,8 kg bei der Henne vor. Die Tiere in Deutschland liegen an der Obergrenze des Gewichtes oder vielfach schon darüber.

Rassebeschreibung und Foto: Stefan Ziegler

Weiterführende Literatur
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Groß- und Wassergeflügel
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Kunstbrut - Handbuch für Züchter
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Kramers Taschenbuch der Rassegeflügelzucht
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