Der Deutsche Feldflüchter
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Das Rasseportrait

Der Deutsche Feldflüchter

Augsburger Huhn und Hahn

Das Foto dokumentiert eine Feldflüchter - Kopfstudie aus einer Thüringer Zucht.

 

Es gibt sie noch:  Die Feldflüchter

Auf den ersten Blick sehen unsere heutigen Feldflüchter wie ganz gewöhnliche Stadttauben aus. Aber dieser erste Eindruck täuscht, denn sie sind eine eigenständige Rasse, die auf gar keinen Fall mit der Stadttaube verglichen werden darf und kann.

Der Name Feldflüchter ist eigentlich ein geläufiger Spitzname, der sich auf die blauen Feldtauben der alten Welt bezieht. Obwohl diese Spezies in ihrer Urform nicht mehr existieren, ist uns Taubenhaltern diese Bezeichnung immer noch geläufig. In der Folge möchte ich hier nun eine Taubenart beschreiben, die dem alten Typ noch sehr nahe kommt.

Gemeint sind hier die Feldtauben der Nachkriegsjahre 1950/1960, die ebenfalls Feldflüchter genannt wurden. Kaum etwas Belegbares ist darüber zu finden, welche Tiere seinerzeit auf dem Entwicklungsweg zur Wiedererzüchtung benutzt bzw. zur Rassebildung gekreuzt wurden. Jedenfalls habe ich hierüber keine verlässlichen Informationen!

Diese extravaganten Stämme, die vorzugsweise auf Bauernhöfen gehalten wurden, waren keine Tauben für jedermann. Auf diesen Höfen fristeten sie ein recht unbeschwerliches  Dasein. Auch kam es dort immer wieder mal vor, dass Einzeltiere die völlige Freiheit vorzogen. Diese verwilderten Tauben bildeten in ihrer selbstgewählten Freiheit neue Populationen, die aus heutiger Sicht die Wildform der Felsentaube recht gut darstellen. Diesen Tieren haftet eine extreme Scheuheit an. Geschützt vor Eingriffen des Menschen leben sie heute in kleinen Populationen in freier Wildbahn. In ihrem Benehmen sind sie lebhaft und ausgesprochen schnell. Während diese Charaktereigenschaften bei den so genannten Bauerntauben fast völlig verdrängt wurden, haben sich die wildlebenden Feldflüchter zu den wildesten Tieren unter allen domestizierten Taubenrassen entwickelt. Heute kommen sie höchstwahrscheinlich nur noch in einigen Gebieten Ostdeutschlands vor. Die erste Begegnung mit diesen “Tauben-Besonderheiten” wurden mir 1993 im Raum Zittau und einigen kleinen, kaum besiedelten Ortschaften Thüringens zuteil.

Einige Zeit später hatte ich das Glück und die Möglichkeit, fünf dieser Kostbarkeiten einzufangen. Unter diesen Tieren befand sich ein Paar denen ich den Vorzug gab und mit denen ich es wagte, Brutversuche durchzuführen. Anfänglich gestaltete sich dieses Unterfangen sehr zäh, es ging nur schleppend voran. Immer wieder kam es zu zerstörten Gelegen und ich war nahe dran , mein Vorhaben wieder aufzugeben.

Da erblickte nach dem dritten Gelege als Hoffnungsschimmer das erste Küken das Licht der Welt. In Bezug auf Rasseerhaltung und Wiederverbreitung ist es mir durch Bündelung aller Kräfte in den darauf folgenden Jahren gelungen, einen recht ansehnlichen Bestand von 11 Tieren heranzuzüchten. Dies alles untermauert den  Schwierigkeitsgrad, solche Tauben in Massen vermehren zu wollen.

Nach meinen bisherigen Kenntnisstand kann mit Tauben dieser Gruppe zwar durchaus gezüchtet werden, der Trieb des Abwanderns (verlassen des Schlages) lässt sich in Reinhaltung jedoch nicht verdrängen und haftet diesen Spezies zeitlebens an.

Um den Eindruck der Extravaganz zu erhöhen, erscheint mir von Wichtigkeit, dass aus freier Wildbahn Feldflüchter lebenslang scheu und schreckhaft bleiben. Von Bedeutung ist auch die Tatsache, dass die in Gefangenschaft geborenen Tiere nicht an den Menschen gewöhnt werden können. Niemals lassen sie sich freiwillig von ihm berühren!

Verwilderte Feldflüchter kommen fast ausschließlich in der Wildfarbe blau vor. Sie gehören zu den schnellsten Fliegern und erreichen bei Greifvogelangriffen Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h. Bei dieser Schnelligkeit gelingt es wohl nur dem Wanderfalken, mit ihnen fertig zu werden.

Leider werden auf Internet Plattformen oder in Geflügel Zeitschriften gelegentlich immer wieder echte Feldflüchter  angeboten. Ich warne davor auf solche Angebote einzugehen, denn diese Tiere haben mit der hier beschriebenen  Rasse nichts gemein. Sie sind zu groß, haben untypische Köpfe und unmögliche Farben. In Thüringen gibt es zurzeit eine kleine Feldflüchterzucht, die in ihrem Erscheinungsbild den Namen “Feldflüchter” durchaus verdienen. Einige der besagten Tiere haben ursprüngliches Aussehen und Charakter. Es gibt sicher noch viele Fragen, auf die ich gerne in einer späteren Abhandlung eingehen kann.

Typische Rassevertreter zeichnen sich durch untenstehende Merkmale aus.

 

Gesamteindruck:          Gleicht der nordischen Felsentaube (Columba livia) sehr!

Größe:                         30-32 cm, je nach Geschlecht!

Gewicht:                       Ca.250 -  300 g, je nach Geschlecht !

Kopf:                            Etwas hohe Stirn, mit leicht abfallender Kopfplatte!

Augen:                          Iris stechend gelb,  sehr schmaler kaum sichtbarer dunkler bis weißlicher Augenrand!

Schnabel:                      Schmal, sehr dünn, mittellang von dunkler Farbe und sehr kleiner heller Wachshaut.

Farbenschläge:              Wildfarbe, blaugrau mehr stumpf als glänzend, mit weißen Rücken.

 

Text und  Foto:  ©Rolf Pillen   RPillen@t-online.de

 

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Weiterführende Literatur:
cover
Tauben Lexikon
cover
Kunstbrut - Handbuch für Züchter
cover
Kramers Taschenbuch der Rassegeflügelzucht
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