Krombekeend

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Das Rasseportrait

Die Krombekeend

Krombekeend

Hier handelt es sich um eine unserer ältesten und vor allem auch seltensten Entenrassen. Der abwärts gebogene Schnabel entwickelt sich erst mit zunehmenden Lebensalter. Das Licht der Welt erblicken die Küken mit einem langen geraden Schnabel. Dieses Merkmal ist sporadisch bei domestizierten Enten in Holland entstanden und ist behindert in keinster Weise Futteraufnahme oder Lebensverhalten der Enten. Eine agile Entenrasse mit guten Legeeigenschaften.

Krummschnabelenten stellen ein erhaltenswertes Kulturgut aller erster Kategorie dar. Sie können auf eine über 400jährige Geschichte zurückblicken, der nicht immer mit Sonnenschein beschenkt wurde. Erstmals erwähnte sie der englische Forscher Willughby , dessen Werk „Ornithology“ 1676 von Ray herausgegeben wurde.

Er nannte außer den Hooked bill ducks (Krummschnabelenten) die Muscovy ducks (Warzenenten) und die Common tame ducks (unserer Wildente gleichend).

Krombekeend

In dieselbe Epoche reichen die Bilder von Melchior de Hondecoeter (1636-1695) zurück.

Vortrefflich in der Darstellung hinterließ er uns das Abbild eines dunkelwildfarbigen Erpels (mit Latz und weißen Außenschwingen) und einer weißen Ente.

Beide mit deutlich abwärts gebogenem Vorderschnabel und einer Federhaube. Das Merkmal Haube wird in Zusammenhang mit den Krummschnabelenten doch recht häufig erwähnt. Sie sind echte „Oranjes“, Holland, genauer gesagt die Provinz Nord-Holland gilt als Quell dieser Rasse. Ausgangspunkt waren die dort recht zahlreich gehaltenen Spreeuwkopeenden, eine Ente dunkler als die Wildenten mit einem langen, der Spreeuw (den Halmen des abgedroschenen Stroh) ähnlichen Schnabels. Immer wieder traten bei den Zuchten der Bauern sporadisch Tiere mit „krummen“ Schnäbeln auf, ohne diesem Absurdum jedoch weitere Beachtung zu schenken.

Aus ganz wirtschaftlichen Gründen heraus züchtete man diesen Enten einen Weißen Latz und weiße Außenschwingen an. Zu groß waren die Verluste durch die ansässige Waidmannschaft. Klare Unterschiede zu den Wildenten galt es zu schaffen. Fortan wurden diese dann Noord-Hollandse Witborsteenden genannt. Ganz nebenbei entstanden schwarze, blaue, gelbe, weiße und rehfarbige.

Dem Sammelsurium an Farben wurde dann am 24.Oktober 1922 ein Riegel vorgeschoben und im Standard für die Witborsteenden nur noch die dunkel-wildfarbigen zugelassen. Nachfolgend blieben auch für die Krombekeenden nur die dunkel-wildfarbige Variante mit und ohne Latz, sowie die einfarbig weißen als anerkannte Farben.

Ihre Blütezeit muss zwischen 1800 und 1900 angesehen werden. Legeleistungen von 175 bis 200 Eier pro Jahr und Ente sollen an der Tagesordnung gewesen sein. In dieser Zeit wurden auch in Deutschland, vornehmlich in Thüringen größere Bestände von weißen Krummschnabelenten erwähnt. Die Wirren beider Weltkriege haben, dieser Rasse wie manch anderen doch erheblich zugesetzt. Unsere heutigen Krummschnäbel, wie sie in Fachkreisen liebevoll genannt werden, gehen auf einen kläglichen Restbestand von ca. 15 Tieren zurück, die 1975 als Grundlage für die weitere Zucht in ganz Holland zusammengesucht wurden.

Wie bereits vor Jahrhunderten dienten die Nordholländischen Witborst- und Spreeuwkopeenden als Blutauffrischung. Wir konnten ja bereits feststellen, dass es sich hier um ein und dieselbe „Sippschaft“ handelt. Übrigens treten kleinere Schnabelkrümmungen auch heute immer wieder einmal ganz sporadisch bei den Lauf- und Hochbrutflugenten auf.

Krombekeend

Holländische Züchter mutmaßen, dass die ersten Tiere auf Importe aus Ost-Indien, dem Einzugsbereich der Laufenten zurückgehen.

Ein Zusammenhang zwischen Krümmung und Schnabellänge konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Es ist besonders erfreulich, dass es unseren holländischen Zuchtfreunden gelungen ist, neben den Dunkel-wildfarbigen mit und ohne Latz, auch die Weißen wieder zu erzüchten. Zaghaft, mit leisen Flüsterton kann von einer gesicherten Verbreitung ausgegangen werde. Im Zuge der Massenkeulung aller Geflügelarten beim Auftreten der Geflügelpest in Holland wurden per amtlichem Dekret die Noord-Hollandse Krombekeenden von diesem Irrsinn ausgenommen.

Gewicht der Krummschnabelenten; 1,5-1,8kg beim Erpel und 1,4-1,7kg bei der Ente. Frühere Gewichtsangaben, beruhten auf Alt- bzw. Kreuzungstiere.

Breit gefächert die Schalenfarbe der Eier – von dunkel bis hell grünlich und

weiß. Das Bruteier-Mindestgewicht wird mit 60 Gramm und die Legeleistung mit 40-50 Stück angegeben. Für beide Farbenschläge gilt gerader Schnabel als grober Fehler. Ebenso das gänzliche Fehlen weißer Handschwingen bei den Dunkel-wildfarbigen mit Latz. Weiße Augenzügel gehören zu den Sachsenenten, hier ein grober Fehler.

Nahrungsaufnahme; Körnerfutter bietet sich in Hinblick auf festes Gefieder förmlich an. Weichfutter wird ebenso gerne verzehrt und kann als Träger von Ergänzungsfutter, wie z.B. Legemehl während der Zuchtperiode

gute Dienste leisten. Krummschnabelenten sind Naturburschen mit Leib

und Seele. Sie fungieren gerne als „Saubermänner“ im Auslauf, Schnecken und sämtliches Kleingetier wird von ihnen ja fast gierig dem Schnabel zugeführt. Nicht minder die Vorliebe für Grünfutter aller Art. Gebadet wird gerne und ausgiebig, dem sollte mit entsprechend sauberer Badegelegenheit ständig Rechnung getragen werden. In ihrem Wesen sind sie reserviert aber keinesfalls scheu. Das Fliegen ist ihnen angeboren und wer erst einmal den Duft von Freiheit und Abenteuer in der Nase hatte wird sich nur schwer wieder als Fußgänger halten lassen. Sie brüten gerne selbst, können aber auch künstlich erbrütet werden. Um dem erhöhten Bedarf an Feuchtigkeit während der Brut sicher zu stellen, sollte man, wie beim Wassergeflügel überhaupt, auf gemeinsames Brüten mit Hühner-Eiern verzichten. Sie erblicken das Licht der Welt wie alle anderen Vögel auch, durch mehrfaches Anpicken und anschließendes Aufsprengen der Ei-Schale. Krummschnäbel verlassen das Ei mit geradem Schnabel, die Krümmung erstreckt sich über die gesamte Wachstumsphase und findet mit der letzten Mauser ihren Abschluss.

Es wäre vermessen zu sagen, die Rasse sei über den Berg. Zugegeben die schneebedeckten Gipfel liegen hinter uns, aber die grünen Täler liegen noch in weiter ferne.

 

Die Krummschnabelenten haben sich eine breitere Züchterbasis mehr als verdient.

 

Quelle:  www.enten-sv.de/

Text: Paul-Erwin Oswald       Fotos:  ©Jan Vogel, Barneveld (NL)

 

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