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Das Rasseportrait

Lakenfelder Huhn

Lakenfelder Huhn

Jedes Volk, jedes Land, ja fast jede Landschaft hatte früher eine eigene Landhuhnrasse. So waren es in Amerika die Plymouth-Rocks, Wyandotten, Rhodeländer und New Hampshire, in England sind die Orpington, Sussex und altenglischen Kämpfer sehr bekannt, Holland schickte uns die Barnevelder und Welsumer.
Reich ist auch die Zahl der Rassen, die in deutschen Regionen gezüchtet wurden. Eine besondere Ausstrahlung geht von diesen Rassen auf uns aus. Mit diesen Arten steht etwas Einmaliges vor uns, deutsches Kulturgut, das unsere Höfe belebte, lange bevor aus Asien die ersten Cochin und Brahma nach Europa kamen.

Zu den prächtigsten aller deutschen Rassen gehören zweifelsfrei die Lakenfelder, reizvolle Farbenhühner mit der weißen Grundfärbung und dem samtschwarzen Halsbehang und dem schwarzen, grünschillernden reichen Schwanz - ein prachtvoller Kontrast. Wenn man weiß, daß in Flandern eine schwarznackige Abart der Brakel, die Sottegems, gezüchtet wird, dann stellt sich gleich die Frage nach der Verwandtschaft mit den Sprenkelhühnern. Wir dürfen darauf schließen, daß alle Sprenkelhühner Möven, Brakel, Totleger und Hamburger Sprenkel auf denselben Ursprung zurückgehen. Nach einem Vergleich mit den schwarznackigen Sottegems ist wohl zweifelsfrei, daß die Sprenkel als recht nahe Verwandte auch unserer Lakenfelder anzusehen sind. Die Ahnenerbmasse, unerwünschte Sprenkelzeichnungen auf dem Rücken der Hennen, kommt immer wieder zum Vorschein.
In seinem Buch "Die Geflügelzucht" schreibt Bruno Dürigen im Jahr 1921: "Als ich mich Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auf die Spuren des alten westfälischen Lakenfelder Huhnes machte, stellte ich in den Landstrichen Westfalens, Schaumburg- Lippes und Hannovers fest, daß dieses Huhn seine Herkunft in Westfalen hat und aus den Silbersprenkel-Totlegern herausgezüchtet wurde. Es gab sehr viele Höfe in Nordwestdeutschland, wo dieses Huhn in den Jahren 1820 und 1830 gezüchtet wurde.
Beispielsweise hatte, wie A. Wulf, Leipzig, erforschte, der Gutsbesitzer von de Loo in Gennep bei Kleve über 100 derartige Hühner auf seinem Grundstück laufen.
Nach bestimmten Verpaarungen wurden rein weiße Hühner mit schwarzem Hals und schwarzem Schwanz, also Lakenfelder, zuerst nachweislich in der Gegend von Dielingen im nördlichen Westfalen im Regierungsbezirk Minden gezüchtet. Hier waren mehrere Geflügelzüchter durch das Vorkommen der schwarzhalsigen Totleger-Spielart dazu angeregt worden.

Der im Jahre 1819 geborene Haushofmeister Wilhelm Meyer und sein jüngerer Bruder Gustav machen über die Erzüchtung dieser Rasse folgende Angaben: "Der verstorbene Lehrer Bockelmann in Meyerhöfen bei Hunteburg, Vater des bekannten Züchters Rektor Bockelmann in Meile waren eifrige Geflügelzüchter. Ihr besonderes Augenmerk richteten sie auf die Veredlung des dortigen Landhuhnes, des Totlegers oder Campinerhuhnes. Dieses Huhn kam hin und wieder vor mit dunklem Hals und Schwanz. Dieses erweckte ihren Gedanken, möglichst rein weiße Hühner mit schwarzem Hals und schwarzem Schwanz zu züchten. Als Dritter im Bunde gesellte sich zu diesen beiden Züchtern noch der Zollerheber Wirz aus Haldem. Der Züchter Wirz aus Haldem setzte die Zucht mit Eifer und Ausdauer fort und konnte seinen beiden Freunden im Herbst 1835 Tiere mit diesen vorzüglichen Merkmalen der abgrenzenden Farbe vorstellen. Der Züchter Bockelmann, der diese Hühner gesehen hatte, bezeichnete sie als Prachtstücke. Von hier aus haben sich die Lakenfelder über Dielingen, Lemförde, Bohmte, Osnabrück, Münster und Bielefeld verbreitet. Schon um 1850 hatte die Rasse die Totleger fast restlos verdrängt."
Im Jahre 1862 stellte Rektor Bockelmann einen großartigen Stamm Lakenfelder in Hamburg aus, nur wenige Jahre später beim einzigen Verein in Westfalen, in Bielefeld.
König Georg von Hannover hörte von der Züchtung dieses einheimischen Huhnes. Als er sie zu Gesicht bekam, war er von der Schönheit der Tiere ebenfalls begeistert. Spontan kaufte der König zwei Stämme dieses alten westfälischen Landhuhnes für seine Prinzessinen.
Das Lakenfelder Huhn hat seinen Namen nicht nach einem gleichnamigen Ort, den es in Westfalen auch nicht gibt. Die Meinung vieler Fachleute der damaligen Zeit war, wenn auch nicht belegt, daß der Name von dem Aussehen des Huhnes abgeleitet sei. Das Huhn sehe aus wie ein mit einem weißen Laken überzogenes schwarzes Feld. Auch der alte Bockelmann meinte, daß der Name von Laken (Linnen) herkomme.

Lakenfelder Huhn

Hähne mit schwarzer Halszeichnung muß es aber schon lange vorher gegeben haben. Albert Cuyp malte damals ein Barthähnchen mit schwarzem Halsbehang und weißer Brust. Daraus läßt sich folgern, daß die Lakenfelderzeichnung schon über 250 Jahre alt ist und sogar bei Halbzwergen sowie bei gut entwickelten Tieren des Landhuhntyps vorgekommen ist.
Von einem Berichterstatter aus dem Jahre 1727 erfahren wir von einem Dorf namens Lakerfeld (nicht Lakenfeld) zwischen Lexmond und Meerkerk bei Utrecht. Es war kein geschlossener Ort, vielmehr ein langgezogenes Wohnviertel an der Landstraße nach Gorcum. Hier wurden immer sehr viele Hühner gezüchtet. Ob diese Hühner allerdings mit den deutschen Lakenfelder verwandt waren, ist nicht bewiesen worden.
Der holländische Fachbuchautor C. S. Th. van Gink schreibt: "Da es von den heutigen Lakenfelder keine Abbildung gibt, die älter als die aus dem Jahre 1886 sind, müssen wir die Beschreibung der Tiere aus dem Jahre 1835 als Leitfaden nehmen. Aus der Beschreibung von Gustav Meyer aus Minden (Westfalen) kann man entnehmen, daß die westfälischen Lakenfelder ohne Einkreuzungen fremder Rassen und nur unter der Zuhilfenahme der Cam-piner bzw. westfälischen Totleger entstanden sind." Die zur Herauszüchtung der Lakenfelder in Westfalen benutzten gesprenkelten Totleger haben den verdeckt vorhandenen Erbfaktor für schwarzen Halsbehang geführt. Es besteht die Möglichkeit, daß die Columbiazeichnung in der Lakenfelderzeichnung verdeckt vorhanden ist und es sich hier um die kräftigste Columbia-Zeichnungsart handelt. Da aber noch nie aus den vielen Nachzuchttieren der Sussex und hellen Brahmas und anderen columbiafarbigen Tieren ohne irgendwelche Einkreuzungen Tiere mit ganz schwarzem Halsbehang gefallen sind, dürfte feststehen, daß noch ein anderer Erbfaktor erforderlich ist, um den schwarzen Halsbehang zu erreichen.
Nach ihrem Entstehen wurden die Lakenfelder lange Zeit von dem westfälischen Verein Bielefeld 1861 gefördert, später kamen Braunschweig und Görlitz hinzu. Nach den Vereinsgründungen in Gütersloh, Aurich und Wittmund widmeten sich auch diese Vereine der Rasse. Als führende Züchter des vorigen Jahrhunderts zählen Finkenburg, Aurich, er errang in Bremen den Siegerpreis der Landwirtschaftlichen Gesellschaft, Gottfried Heidsiek, Bielefeld, Schwerbrock, Warendorf, Büscher, Gadderbaum, W. Thumel, A. Striewisch, G. Büsching und F. Güthenke, Gütersloh, H. Kulbrock, Brackwede, Frl. A.Sethe und J. H. Schlamann in Minden und Rudolf Schlichte in Steinhagen.
Die Lakenfelderzucht ist gewiß nicht leicht, zumindest was die Farbe betrifft. Über die Sattelzeichnung der Hähne gab es lange Zeit Meinungsverschiedenheiten. So sprach sich der damals führende Kenner und Preisrichter H. Märten sen. im Jahre 1904 für einen gezeichneten Sattelbehang aus. Fr. Heyen dagegen, der seit 1885 Lakenfelder züchtete und hochbewertete Tiere an Züchter verschiedener Länder verkaufte, ereiferte sich für einen ungezeichneten Sattelbehang. In der Geflügelwelt vom 31. Dezember 1931, also 46 Jahre später, schrieb er über die Sattelfarbe: Je heller, desto besser, etwas schwarze Zeichnung zulässig
Lakenfelder Hennen mit ganz dunklem Halsbehang sind immer selten gewesen. Einige Züchter stellten aber auch Tiere vor, die fast bis zum Kopf schwarz gezeichnet waren. In der Färbung der Schwanzdeckfedern der Hennen gibt es zwei Variationen, und zwar die mit weißen und die mit schwarzen, aber weißgesäumten Deckfedern. Beide Zeichnungsarten sind schön, aber letztere ist doch zu bevorzugen, weil die eigentlichen Steuerfedern dann besser gefärbt sind.
Ein wichtiges Rassemerkmal in unserer Geflügelzucht sind bei allen Rassen die Kopfpunkte. Gefordert wird ein nur mittelgroßer Kopf, etwas länglich und nur mäßig breit. Das rote Gesicht muß unbedingt unbefiedert sein. Gesichtsschimmel ist ein grober Fehler. Ältere Tiere mit leichtem Gesichtsschimmel können indes zur Zucht eingesetzt werden, wenn die Partner ein reinrotes Gesicht besitzen. Die Zierde unserer Rasse sind ihre Kämme, das eigentlich Typische erhält der einfache Stehkamm durch seine mittlere Höhe. Zu hoch stehende Kämme sind unschön und nehmen dem Kopf den Adel. Die Zacken dürfen sich nicht zu tief formen, aber sie müssen gleichmäßig sein. Die leicht abgerundete Kammfahne sollte nicht der Biegung des Nackens folgen, sondern frei stehen. Die Unterkante der Fahne hat mit der Oberkante des Schnabels eine gerade Linie zu bilden. Die Augenfarbe wird tiefrot verlangt. Unsere Lakenfelder sollen etwas tiefer stehen als andere Landhuhnrassen, die Hennen einen deutlich entwickelten Bauch zeigen. Auch die Brust muß tief angesetzt und gut entwickelt sein. Es sollte also bei dieser Rasse für kräftigen, gestreckten Körperbau gesorgt werden. Die Rückenlinie ist mittellang und sehr waagerecht liegend, der Sattel voll und breit. Die Läufe sind mittellang und schieferblau. Unsere Lakenfelder bringen für jeden Züchter, der Sinn für Schönheit hat und wirtschaftlich eingestellt ist, ein großes Betätigungsfeld.

Rassebeschreibung und Bilder: Alexander Taubert
Webseite: http://gefluegelzuchttaubert.oyla2.de/cgi-bin/hpm_homepage.cgi
E-Mail: a-0123-alex@gmx.de

Weiterführende Literatur
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Hühnerenzyklopädie
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Kunstbrut - Handbuch für Züchter
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Kramers Taschenbuch der Rassegeflügelzucht
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